RECHTE UND PFLICHTEN

Die wichtigsten Fragen und Antworten für Sportanbieter in Zeiten von Corona

RECHTLICHE IMPLIKATIONEN DURCH DAS CORONA-VIRUS

Liebe Partner und Sportanbieter,


wir alle arbeiten täglich darauf hin, Menschen zu bewegen, ein gesundes und aktives Leben zu führen. Daran hat sich nichts geändert. Aber natürlich nehmen die öffentlich angeordneten Schutzmaßnahmen einen erheblichen Einfluss auf unsere Arbeit. Wir versuchen euch in dieser Situation bestmöglich zu unterstützen. 


Und gemeinsam schaffen wir das!


Deshalb haben wir für euch die wichtigsten rechtlichen Infos zu den Themen Studiobetrieb, Mitglieder, Mitarbeiter inkl. Kurzarbeit, Entschädigung vom Staat, Studiomiete und GEMA zusammengestellt und verständlich aufbereitet. Die folgenden Informationen setzen sich primär aus Veröffentlichungen von Fachverbänden und spezialisierten Rechtsanwaltskanzleien zusammen und wurden z.T. wörtlich übernommen. Alle Quellen sowie Links zu Musterschreiben findet ihr bei Bedarf am Ende dieser Seite zum genauen Nachlesen.


Wir möchten euch mit dieser Zusammenfassung eine Unterstützung und abstrakte Orientierung an die Hand geben. Natürlich müssen wir an dieser Stelle erwähnen, dass diese Infos keine rechtliche Beratung ersetzen und Urban Sports Club keinerlei Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben und Einschätzungen übernimmt (siehe Disclaimer). Aber wir haben unser Bestes getan!


Let's go!



- EUER PARTNER MANAGEMENT TEAM

DISCLAIMER

Die nachfolgenden Informationen sollen einen ersten abstrakten Überblick zu ausgewählten Fragen geben, die sich Sportanbietern im Zusammenhang mit den Auswirkungen des sog. Coronavirus stellen können.


Die Informationen beziehen sich ausschließlich auf das Vertragsverhältnis zwischen Sportanbietern und ihren eigenen Mitgliedern. Die Hinweise gelten daher weder für die Vertragsbeziehungen zwischen den Partnern von Urban Sports und den Urban Sports-Mitgliedern noch für die Vertragsbeziehungen zwischen den Partnern und der Urban Sports GmbH bzw. sonstigen in- und ausländischen Gesellschaften der Urban Sports-Gruppe.


Die Hinweise sind als eine abstrakte Orientierungshilfe zu verstehen und beziehen sich ausschließlich auf Vertragsverhältnisse, auf die das Recht der Bundesrepublik Deutschland Anwendung findet. Die Hinweise enthalten keinen Rechtsrat und können einen erforderlichen Rechtsrat auch nicht ersetzen. Sie sollen den betroffenen Sportanbietern vielmehr helfen, selbst die Themenfelder zu identifizieren, die für sie in der derzeitigen Situation rechtlich relevant sein können. Sportanbieter sollten sich bei konkreten Fragen durch Rechtsanwälte beraten lassen. Dies ist auch deshalb erforderlich, da eine konkrete rechtliche Einschätzung jeweils nur anhand des konkreten Sachverhalts und auf der Grundlage der betroffenen Verträge getroffen werden kann.


Die Urban Sports GmbH übernimmt für den Inhalt der Informationen (insbesondere für deren Richtigkeit und Vollständigkeit) keine Haftung.

+++ Stand: 02.04.20 - Diese Infos werden laufend aktualisiert +++

1. STUDIOBETRIEB

1.1 Müssen Sportanbieter auch ohne behördliche Anordnung und auf reine Empfehlung hin schließen?

Wenn es keine bindende behördliche Anordnung zur Schließung gibt, kann und muss jeder Betreiber selbst entscheiden, ob er einer Empfehlung folgt und zum Schutz seiner Mitglieder und Mitarbeiter das Studio schließt oder nicht. Wenn ein Sportanbieter nicht die gebotenen Vorsichtsmaßnahmen (ausreichende Desinfektionsmittel; ggf. Ausschluss von Personen mit Symptomen) einhält, kann er allerdings auch ohne eine behördliche Schließungsanordnung für Gesundheitsschäden haften.

Achtung: Entschädigungsansprüche gegenüber dem Staat können bei einer „freiwilligen“ Schließung allerdings nicht geltend gemacht werden.


1.2 Ist die behördliche Anordnung zur Schließung bindend?

Die behördlichen Anordnungen sind bindend. Die Anordnungen zur Schließung müssen den Betreibern mitgeteilt oder öffentlich bekannt gemacht werden. Eine mündliche Bekanntgabe reicht aus. Die Anordnungen sind in der Regel sofort wirksam, sofern nicht ein anderer Zeitpunkt bestimmt wird.


1.3 Können bei einer behördlichen Anordnung zur Schließung weiterhin Outdoor-Aktivitäten und Einzelcoachings angeboten werden?

Bei einer allgemeinen, uneingeschränkten Untersagung des Betriebs von Sportangeboten dürften davon auch Outdoor-Aktivitäten und Einzelcoachings erfasst sein, da sie zum Betrieb dazugehören. Das hängt aber letztlich davon ab, was konkret in der behördlichen Anordnung geregelt ist. 


1.4. Ist eine anderweitige Nutzung der Räumlichkeiten bei einer behördlichen Anordnung zur Schließung möglich?

Das hängt von der Art der anderweitigen Nutzung ab. Wird „nur“ der Betrieb des Sportanbieters als solches verboten, ist eine Nutzung der Räume außerhalb des eigentlichen Betriebes zu anderen, nicht verbotenen Zwecken, davon nicht erfasst. So werden letztendlich nur solche Angebote und Tätigkeiten verboten, die mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden sind. Damit dürfte es bspw. zulässig sein, Bürotätigkeiten, Renovierungen oder Reparaturmaßnahmen im Studio durchzuführen.

2. MITGLIEDER

2.1 Haben Mitglieder von Sportanbietern das Recht, ihren Mitgliedsvertrag mit dem jeweiligen Anbieter ruhen zu lassen, sofern das Angebot weiterhin geöffnet bleiben darf und auch tatsächlich geöffnet ist?

Sofern keine vertragliche Regelung besteht, haben Mitglieder grundsätzlich keinen Anspruch auf ein Ruhenlassen ihres Mitgliedsvertrags mit dem jeweiligen Sportanbieter. Maßgeblich ist das konkrete Vertragsverhältnis.


2.2 Haben Mitglieder von Sportanbietern das Recht, ihren Mitgliedsvertrag mit dem Anbieter außerordentlich zu kündigen, wenn der Betrieb aufgrund einer gesetzlichen Regelung oder behördlichen Anordnung geschlossen wird?

Ein derartiges Sonderkündigungsrecht dürfte in aller Regel nicht bestehen. Ein Dauerschuldverhältnis kann nur dann aus wichtigem Grund gekündigt werden, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann. In der Regel dürfte es dem Mitglied zumutbar sein, an dem Mitgliedsvertrag festzuhalten, wenn der Sportanbieter aufgrund einer gesetzlichen Regelung oder behördlichen Anordnung vorübergehend schließt.

Oft werden in Verträgen bestimmte Fälle vereinbart, in denen eine außerordentliche Kündigung zulässig ist. Es ist mithin in jedem Einzelfall zu prüfen, ob solche außerordentlichen Kündigungsgründe vereinbart wurden und vorliegen.

Darüber hinaus haben Mitglieder selbstverständlich das Recht, ihren Mitgliedsvertrag mit dem jeweiligen Sportanbieter ordentlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen.


2.3. Welche Folgen hat es, wenn Mitglieder gegenüber dem Sportanbieter eine außerordentliche Kündigung ihres Mitgliedsvertrages erklären, obwohl kein außerordentlicher Kündigungsgrund vorliegt?

Sofern kein außerordentlicher Kündigungsgrund besteht, führen derartige Kündigungserklärungen nicht zur sofortigen Beendigung des betreffenden Mitgliedsvertrages. Es ist jedoch zu prüfen, ob in der außerordentlichen Kündigungserklärung hilfsweise eine ordentliche Kündigungserklärung zum nächstmöglichen Zeitpunkt liegt. Im Zweifelsfall sollte hierzu mit dem betreffenden Mitglied Kontakt aufgenommen werden.


2.4. Dürfen Mitglieder die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen verweigern oder mindern, wenn das Sportangebot, mit dem sie einen Mitgliedsvertrag geschlossen haben, aufgrund einer gesetzlichen Regelung oder behördlichen Anordnung geschlossen wird?


Sofern ein Sportanbieter die vertraglich gegenüber seinem Mitglied geschuldete Leistung nicht erbringen kann, entfällt grundsätzlich der Anspruch auf die Gegenleistung, z.B. der Anspruch auf Zahlung des Mitgliedsbeitrags. Ist die Leistungserbringung nur teilweise unmöglich, kann der Anspruch auf die Gegenleistung auch (nur) teilweise entfallen. In diesem Fall richtet sich die Kürzung nach den für die Minderung geltenden Grundsätzen. Ob die Erbringung der Leistung durch den Sportanbieter ganz oder teilweise unmöglich ist, hängt von dem konkreten Leistungsportfolio des jeweiligen Sportanbieters sowie dem Inhalt des Mitgliedsvertrags zwischen dem Sportanbieter und dem jeweiligen Mitglied ab.


2.5. Müssen vorausbezahlte Beiträge im Falle einer Schließung auf Verlangen zurückgezahlt werden?

Sofern der Anspruch des Sportanbieters auf die Gegenleistung für einen bestimmten Zeitraum entfällt (siehe vorherige Frage), haben Mitglieder einen Anspruch auf Rückerstattung, soweit sie für diesen Zeitraum bereits Vorauszahlungen geleistet haben.


2.6 Bestehen Schadensersatzansprüche des Mitglieds gegenüber dem Sportanbieter, mit dem es einen Mitgliedsvertrag abgeschlossen hat, wenn der Betrieb des Sportanbieters aufgrund von gesetzlichen Anordnungen oder behördlichen Maßnahmen geschlossen werden muss?

Sofern Sportanbieter aufgrund von gesetzlichen Anordnungen oder behördlichen Maßnahmen geschlossen werden müssen und daraufhin auch tatsächlich geschlossen werden, fehlt es an einem Vertretenmüssen des jeweiligen Sportanbieters für die Schließung, sodass vertragliche oder deliktische Schadensersatzansprüche in der Regel schon deshalb ausscheiden.

3. MITARBEITER

Generell dürfen Mitarbeiter weiter bei dem Sportanbieter beschäftigt werden, sofern es keine behördlichen Auflagen, wie bspw. einen konkreten Verdachtsfall gibt, die dies verbieten.


3.1 Müssen Arbeitnehmer in der aktuellen Situation grundsätzlich weiterhin bezahlt werden?

Der Arbeitgeber bleibt grundsätzlich weiter zur Entgeltzahlung verpflichtet, wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, er sie aber aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen (Betriebsrisiko).

Dazu zählen auch erhebliche Personalausfälle oder Versorgungsengpässe aufgrund von COVID-19-Erkrankungen, in deren Folge der Arbeitgeber die Betriebstätigkeit vorübergehend einstellen würde. Hierunter könnten auch behördlich Anordnungen fallen. Die Arbeitnehmer behalten also in diesen Fällen grundsätzlich ihren Zahlungsanspruch, auch wenn sie nicht arbeiten können. Tätigkeitsverbote und Quarantänemaßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz führen allerdings zu einer zeitlichen Befristung der Zahlungsverpflichtungen der Arbeitgeber und können diesen zudem einen Erstattungsanspruch gegen die jeweilige Behörde geben.


3.2. Dürfen die Mitarbeiter andere Tätigkeit übertragen bekommen?

Die Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Grundsätzlich hat der Arbeitgeber das sogenannte Direktionsrecht, d.h. dieser bestimmt, was der Mitarbeiter arbeiten soll. Dieses Direktionsrecht kann durch den Arbeitsvertrag (etwa durch eine spezifische Tätigkeitsbeschreibung) eingeschränkt oder auch durch vertragliche Versetzungsvorbehalte erweitert werden. Je weiter also die Ersatztätigkeit von den vertraglich vereinbarten Konditionen abweicht, umso weniger kann der Arbeitgeber seine Mitarbeiter verpflichten. So kann etwa ein Fitnesstrainer nicht verpflichtet werden, die Studiowände zu streichen. Falls es alternative Beschäftigungsmöglichkeiten im Unternehmen gibt, sollte der Arbeitgeber dies mit seinen Mitarbeitern einvernehmlich abstimmen. Berücksichtigt werden muss hier, dass in solchen Fällen Kurzarbeitergeld ausscheidet.


3.3. Kann im Falle einer Schließung für alle Mitarbeiter Zwangsurlaub angeordnet werden?

Zwangsurlaub kann grundsätzlich nicht angeordnet werden. Wenn aufgrund einer behördlichen Verfügung in dem Betrieb nicht mehr gearbeitet werden dann, wäre allerdings zu prüfen, ob der Arbeitgeber im Einzelfall dringende betriebliche Gründe im Sinne des § 7 Abs. 1 Bundesurlaubsgesetz geltend machen und/oder Betriebsferien anordnen kann. Angesichts der unsicheren Rechtslage ist es hier das Gebot der Stunde, mit allen Mitarbeitern zu sprechen und zu klären, wer noch nicht verplanten Urlaub hat und diesen jetzt einsetzen kann. Das gleiche gilt für den Abbau von Überstunden.


3.4. Haben Mitarbeiter einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit und Quarantäne?

Ein Entgeltfortzahlungsanspruch besteht grundsätzlich in diesen Fällen. Wenn der Arbeitnehmer krank ist, gelten die bekannten Regeln für eine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (bis zu 6 Wochen). Diejenigen, die ohne eigene Erkrankung einem Tätigkeitsverbot oder einer Quarantänemaßnahme nach dem Infektionsschutzgesetz unterliegen, haben nach Maßgabe dieses Gesetzes Anspruch auf Entschädigung des Verdienstausfalls in Höhe ihres bisherigen Nettoentgelts. Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer diese Entschädigung für bis zu 6 Wochen zahlen und kann sich das Geld dann im Nachhinein von den Behörden erstatten lassen. Der Erstattungsantrag muss innerhalb von drei Monaten erfolgen (Details in § 56 Infektionsschutzgesetz) .


3.5. Haben auch freie Mitarbeiter Vergütungsansprüche an den Arbeitgeber?

Grundsätzlich haben freie Mitarbeiter keine Vergütungsansprüche. Echte freie Mitarbeiter sind Unternehmer bzw. Kleinunternehmer und tragen als solche grundsätzlich das wirtschaftliche Risiko ihrer Tätigkeit selbst.

Doch auch Selbstständige und Freiberufler gehen nicht zwangsläufig leer aus. Nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten kann ihnen ein Verdienstausfall ersetzt werden. Dabei geht die zuständige Behörde als Berechnungsbasis grundsätzlich von dem Gewinn aus, der im Steuerbescheid für das letzte Kalenderjahr festgestellt wurde. Freiberufler und Selbstständige müssen sich persönlich direkt an die zuständige Behörde wenden, um eine Entschädigung für ihren Verdienstausfall zu erhalten.


3.6. Kann vom Sportanbieter Kurzarbeit angeordnet werden?

Eine solche Anordnung ist in der Regel nicht möglich, denn für die Sportbranche gibt es keinen Tarifvertrag, der eine Verpflichtung zur Kurzarbeit vorsieht. Es besteht in der Regel auch kein Betriebsrat, mit welchem Entsprechendes vereinbart werden könnte. Wenn auch im Arbeitsvertrag keine Regelungen zur Kurzarbeit vorhanden sind, muss der Mitarbeiter grundsätzlich zustimmen. Vereinbarung mit den Mitarbeitern sind am besten schriftlich zu schließen.


3.7. Haben auch geringfügig Beschäftigte Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

Bei geringfügig beschäftigten Mitarbeitern besteht kein Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Dies bedeutet, dass grundsätzlich wohl eine Entgeltfortzahlungsverpflichtung in den Fällen der Betriebsstilllegung bestehen dürfte und der Sportanbieter das Gehalt tragen muss. Es wird empfohlen, mit diesen Mitarbeitern jeweils für die Dauer der Betriebsstilllegung, eine Ruhendvereinbarung des Arbeitsverhältnisses zu vereinbaren.


3.8. Haben Azubis und duale Studenten Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Sie ist im Einzelfall zu prüfen und sollte dann ebenfalls mit der Agentur für Arbeit abgestimmt werden.

4. STAAT

4.1 Bestehen auf Grund des Infektionsschutzgesetzes Entschädigungsansprüche gegen den Staat?

Entschädigungsansprüche gegen den Staat bestehen gegenwärtig bei der allgemeinen Anordnung zur Schließung, die alle Betreiber gleichermaßen trifft, nicht. Entschädigungsansprüche können allerdings nach § 56 Infektionsschutzgesetz bestehen, wenn ein Mitarbeiter oder der Betreiber sich mit dem Corona-Virus infiziert hat und deswegen ein Beschäftigungsverbot im Rahmen einer Quarantäne ausdrücklich behördlich angeordnet wurde. Dieser Entschädigungsanspruch kann jedoch entfallen, wenn empfohlene Maßnahmen zur Vermeidung nicht beachtet werden.


Beschäftigungsverbot: angeordnete Quarantäne

Selbstständige, deren Betrieb oder Praxis während einer angeordneten Quarantäne aufgrund einer Infizierung oder eines entsprechenden Verdachts ruht, können nach § 56 Infektionsschutzgesetz bei der zuständigen Behörde einen Ersatz der in dieser Zeit weiterlaufenden, nicht gedeckten Betriebsausgaben in angemessenem Umfang beantragen.

Erleidet der Betroffene – gleich, ob dieser Arbeitgeber, Arbeitnehmer oder Selbstständiger ist - durch das Beschäftigungsverbot einer Infizierung oder eines entsprechenden Verdachts einen Verdienstausfall, so erhält dieser auf Antrag eine Entschädigung in Geld. Bei Arbeitnehmern zahlt der Arbeitgeber für bis zu sechs Wochen das Arbeitsentgelt fort und kann eine Erstattung dieser Beträge beantragen. Zu beachten ist, dass die Anträge gemäß § 56 IfSG innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Einstellung der verbotenen Tätigkeit zu stellen sind.


4.1 Welche Insolvenzmeldepflichten bestehen in dieser Situation?


Zitat Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz:

„Wir wollen verhindern, dass Unternehmen nur deshalb Insolvenz anmelden müssen, weil die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfen nicht rechtzeitig bei ihnen ankommen. Die reguläre Drei-Wochen-Frist der Insolvenzordnung ist für diese Fälle zu kurz bemessen. Deshalb flankieren wir das von der Bundesregierung bereits beschlossene Hilfspaket mit einer Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 30.09.2020 für die betroffenen Unternehmen. Mit diesem Schritt tragen wir dazu bei, die Folgen des Ausbruchs für die Realwirtschaft abzufedern."  


Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, zur Insolvenzantragspflicht für durch die Corona-Epidemie geschädigte Unternehmen

5. VERMIETUNG

5.1 Muss die Miete im Fall einer freiwilligen Schließung oder bei einer behördlich angeordneten Stilllegung weitergezahlt werden?


Das hängt, neben dem Grund der Schließung („freiwillige“ Schließung oder Schließung aufgrund bindender behördlicher Anordnung), von dem genauen Inhalt des jeweiligen Mietvertrags ab und muss im Einzelfall geprüft werden.

Grundsätzlich ist es das Risiko des Vermieters, dass die vermieteten Räume für den „vertragsgemäßen Gebrauch“ tauglich sein müssen. Wenn das nicht der Fall, muss der Mangel dem Vermieter angezeigt werden, und es mindert sich die Miete (ggf. bis auf Null). Unter bestimmten Umständen ist es möglich, dass behördliche Beschränkungen die Tauglichkeit zum „vertragsgemäßen Gebrauch“ ausschließen (ohne dass es dafür auf ein Verschulden des Vermieters ankäme). Ob ein solcher Fall vorliegt, hängt von verschiedenen Faktoren ab (insbesondere vom Inhalt des Mietvertrags, etwa von dort enthaltenen Regelungen zum vertragsgemäßen Gebrauch, sowie von der behördlichen Anordnung; sodann von einer rechtlichen Beurteilung des Bezugs der behördlichen Anordnung zu den vermieteten Räumen).

Sollte der Vermieter sich darauf berufen können, dass die Tauglichkeit der Räume an sich zum „vertragsgemäßen Gebrauch“ trotz behördlicher Anordnung gegeben ist, dann liegt das Risiko, die Räume wie geplant verwenden zu können, beim Betreiber als Mieter. Davon sind allerdings wiederum Ausnahmen möglich, die sich (in Ermangelung einer Regelung in dem jeweiligen Mietvertrag) vor allem aus den Grundsätzen einer sog. „Störung der Geschäftsgrundlage“ ergeben können.

Es ist angeraten, mit dem Vermieter zu sprechen und sich erforderlichenfalls rechtlich beraten zu lassen. Außerdem sollte sehr zeitnah geprüft werden, ob Anspruch auf Versicherungsschutz seitens des Mieters besteht (bspw. eine Betriebsausfall- oder Betriebsschließungsversicherung). Wenn das der Fall ist, müssen zur Anspruchswahrung unbedingt die versicherungsrechtlichen Obliegenheiten beachtet werden; bspw. muss üblicher Weise binnen sehr kurzer Fristen eine Schadensmeldung gegenüber dem Versicherer erfolgen.

Zur Vermeidung von möglichen Rechtsnachteilen ist außerdem zu erwägen, dass ab dem Zeitpunkt einer Betriebsschließung die Miete nur noch unter dem Vorbehalt einer Rückforderung im Hinblick auf etwaige Minderungsansprüche wegen der Betriebsschließung zu zahlen ist. Eine Nichtzahlung der Miete ist in jedem Fall zu vermeiden. Denn sollte die Miete nicht mehr gezahlt werden, dann besteht das Risiko, dass der Vermieter das Mietverhältnis kündigt. Anders als im privaten Mietrecht könnte eine solche Kündigung nicht dadurch aufgehoben werden, dass zu einem späteren Zeitpunkt die offenen Mieten nachgezahlt werden. Hier empfiehlt es sich deshalb, bei Vorliegen einer solchen Situation, bereits im Vorfeld mit dem Vermieter in Kontakt zu treten, um gemeinsam einen Weg zu finden.

6. GEMA

Infos zu Lizenzen bei Livestreams als Ersatz für Präsenzkurse


Für Veranstalter mit bestehenden Pauschal- oder Lizenzverträgen:

Wenn ihr anstelle von Präsenzkursen Live Online-Kurse anbietet, ist dieser Livestream durch den bestehenden Pauschal- oder Lizenzvertrag gedeckt. Eine separate Lizenzierung des Livestreams ist nicht notwendig.


Für Nutzung von Social Media Plattformen:

Einzellizenzierung für Livestreams auf Social Media Plattformen sind nicht notwendig.


Für Nutzung ohne Pauschal- oder Lizenzvertrag oder Andere:

Bitte informiert euch bzgl. Tarif VR-OD 10 für Online Nutzung sowie den GEMA Lizenzshop und beantragt eine Lizenz. Bei Liquiditätsengpässen aufgrund der Corona-Kriese bitte bei [email protected] melden, um eine Lösung zu finden.

WEBINARE UND INFORMATIONEN DER KANZLEI DR. NIETSCH & KROLL 

Die auf Arbeits-, Vertrags- Medien-, Urheber- und Sportrecht spezialisierten Rechtsanwälte Matthias W. Kroll, LL.M. und Dr. Jan H. Wendt von der Kanzlei Dr. Nietsch & Kroll aus Hamburg haben euch in zwei Webinaren wichtige Fragen zu den Bereichen Studioschließung, Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Umgang mit Mitgliedern, Insolvenzrecht und GEMA beantwortet. Schaut euch hier die Webinare noch einmal an!

Die Kanzlei hat sich außerdem bereit erklärt, eure Fragen in einer kostenlosen Erstberatung unter die Lupe zu nehmen. Meldet euch also gerne direkt bei: 


DR. NIETSCH & KROLL - RECHTSANWÄLTE I FACHANWÄLTE

 

Osterbekstraße 90 C (AlsterCity)

22083 Hamburg

 

T +49 (40) 23 85 69 - 0

F +49 (40) 23 85 69 – 10

M +49(172) 9414047

E [email protected]

W www.nkr-hamburg.de


Blog: https://www.fitness-law.de/

WEITERE DOKUMENTE

Die Rechtsanwälte Dr. Geisler und Dr. Franke haben ebenfalls viele Fragen beantwortet und ihre Einschätzungen gegeben. Diese findet ihr hier:

QUELLEN